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Der blaue Blog
Zu Gast bei Günther Willen
| 31.01.10 - 14:15:42 Uhr |
| Ende einer Kohlfahrt |
In seinem Tagebuch "Sirius" schreibt Walter Kempowski, dass er als Kind eine Idealvorstellung von seinem Leben hatte: "Ich wollte im Bett liegen, Dick-und-Doof-Filme sehen und dazu Marmeladebrote essen." Schön ist es aber auch, an einer Kohlfahrt teilzunehmen, über den verschneiten Huntedeich zu dölmern und anschließend lecker Grünkohl mit Salzkartoffeln und einer Kochwurst zu essen. Hab ich gestern gemacht. War primstens. Nach dem Essen in der "Hafenbar" wurde noch Kartoffelschnaps ausgeschenkt und wahnsinnig gute Musik aufgelegt (z.B. Violent Femmes) und getanzt. Spontan wurde Gastgeber Henning zum "Kohlkönig der Herzen" ausgerufen. Ja, so eine Kohlfahrt ist lustig.
Wenn man an Heinrich Böll denkt, fällt einem zuerst nicht das Ende einer Kohlfahrt, sondern die Erzählung "Ende einer Dienstfahrt" ein, aber ich verbinde mit Heinrich Böll auch und vor allem, dass er das Buch "The Catcher in the rye" in sein geliebtes Deutsch übersetzt hat, dessen Autor J.D. Salinger vor ein paar Tagen im Alter von 91 Jahren gestorben ist. Irgendwo gelesen, dass in der Originalausgabe von "Der Fänger im Roggen" (1951 erschienen) 255 Mal der Begriff "goddamn" und vierundvierzigmal "fuck" vorkommt oder so. Voll genital. |
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| 24.01.10 - 15:42:39 Uhr |
| Am Arsch der Welt |
Meine Kollegin Frau Arndt, die kürzlich über das Schild vor dem Feinkostladen an der Ammerländer Heerstrasse herzhaft lachen musste ("Heute Wild"), brachte mich gestern oder vorgestern auf die Idee, mal was über die "flotten" Sprüche von Städten zu machen, denn das geht ja auf keine Kuhhaut mehr, sagte sie und fügte den Slogan ihrer Stadt hinzu ("Da geht was!"). Und ich sagte: Lese wild und gefährlich. Wie bitte? Ach, mir fiel nur der fabelhafte Witz von FK Waechter ein, ich glaube, es war eine Zeichnung mit dem Graffiti-Spruch: "Ob Botterfeld der Arsch der Welt oder Zentrum des glühenden Seins, / liegt einzig an Heinz." Mit anderen Worten: Schöner geht's nimmer. Hier der Arsch der Welt (Botterfeld), dort Zentrum des glühenden Seins (Barcelona), aber ansonsten sind die meisten Slogans für Städte eher öde und gleichzeitig, haha, so lustig. Hier eine kleine, aber feine Auswahl an aktuellen Sprüchen von Städten:
Bochum macht jung
Hannover hat's drauf
Paderborn überzeugt
Bielefeld bewegt
Motor Deutschlands (Stuttgart)
Lust an Entdeckungen (Wolfsburg)
Leben. Im Quadrat (Mannheim)
Kinder fördern und Familien unterstützen (Salzgitter)
Welterbe, Weingenuss, Wohlgefühl (Würzburg)
Rendezvous in der Mitte Deutschlands (Erfurt)
Recklinghausen attraktiver!
Be Berlin
Leben Sie Mainz
Bremen erleben
Meer erleben (Bremerhaven)
Erleben, erfahren, entdecken (Remscheid)
Lebendiges Hagen
Unglaublich vielfältig (Saarbrücken)
Überraschend anders (Bottrop)
Köln ist ein Gefühl
Wiesbaden passt zu mir
München mag dich
Die Löwenstadt (Braunschweig)
Stadt wie Samt und Seide (Krefeld)
Die Stadt im Hasetal (Löningen)
Stadt am Fluss (Mühlheim an der Ruhr)
Am Fuße der Alb, mitten im Leben (Reutlingen)
Viel vor, viel dahinter (Karlsruhe)
Offen aus Tradition (Erlangen)
Universitätsstadt mit Energie (Cottbus)
Die Friedensstadt (Osnabrück)
Stadt der Wissenschaft (Göttingen)
Darmstadt ist Wissenschaft
Stadt der Wissenschaft und Lebensart (Münster i.W.)
Essen -die Einkaufsstadt
Stadt der Moderne (Chemnitz)
Sailing City (Kiel)
Green City (Freiburg)
Da geht was (Delmenhorst)
Das hat was (Oldenburg)
Magnet am Deutschen Eck, die Stadt zum Bleiben (Koblenz)
Schlau, wer schon da ist (Buxtehude) |
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| 23.01.10 - 23:22:54 Uhr |
| Tulpe |
| Zuerst die gute Nachricht: Der beliebte Schokoriegel Twix heisst nach fast 20 Jahren wieder Raider. Jawollo! Jedenfalls habe ich das so verstanden. Raider heißt wieder Raider und nicht Twix. Wurde ja auch Zeit. Jetzt warte ich nur darauf, dass Salzletten bald wieder als Salzletten durchgehen (und nicht als Saltletts) und Cat Stevens wieder Cat Stevens heisst und nicht Yusuf. Andererseits wurde soben bekannt, dass "Calgonit" ab sofort "Finish" heisst. Menno bzw. Manno! Da soll noch einer durchblicken. Was passiert, wenn man plötzlich seinen Namen ändert, beschreibt der große Heinz Baumann, Quatsch: Charles Bukowski recht gut in seinem Buch "Den Göttern kommt das grosse Kotzen" (Köln 2006) auf Seite 17: "Frauen ändern ihren Vornamen, wenn sie älter werden. Ich meine, manche. Was wäre wohl, wenn Männer auf diese Idee kämen? Stell dir vor, ich rufe einen an und sage: "He, Mike, hier ist Tulpe." - "Wer?" - "Tulpe. Früher Charles, jetzt Tulpe. Ich höre nicht mehr auf Charles." - "Ach leck mich doch, du Tulpe." Sagt Mike und legt auf." Soweit Charles "Tulpe" Bukowski. Darauf einen Dujardin oder Scharlachberg bzw. Mariacron, was du willst. Jetzt die schlechte Nachricht: Kalt in Deutschland. Aber nicht so kalt, dass einem Messingaffen die Eier abfrieren. So sieht's aus. Musik zur Zeit: Riders On The Storm (The Doors). Früher bekannt als "Twix On The Storm", hehe. |
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| 17.01.10 - 23:02:39 Uhr |
| Häuptling Schicke Mütze |
Seit Tagen sind wir hier in unseren kleinen Stadt eingeschneit und praktisch von der Außenwelt abgeschnitten. Nichts geht mehr. Alle Leitungen sind gestört. Sie nennen es Schneeballsystem. Herrje! Die Leitung, nein: die Lesung von Wiglaf Droste am Freitagabend im Bibliothekssaal war eine willkommene Abwechslung und erfrischte die Gemüter. Ein runder Abend war das. Droste kann nicht nur geschliffen formulieren und voll gut vorlesen, sondern auch singen und Hörbücher einsprechen. Bei meinem Hörbuch von "Niveau ist keine Hautcreme" (erscheint im Februar) hat er dankenswerterweise die Rolle des Moderators übernommen und sorgt für das gewisse Etwas, aber hallo. Außerdem hat er den schwarzen Gürtel im Kalauern. Leider haben wir es nicht geschafft, im Zugabeteil gemeinsam Sachen aus dem Niveau-Hörbuch vorzutragen, weiß der Nesquik. Yamahaschade, aber nicht zu ändern.
Nach der Lesung waren wir noch in einer Kneipe und haben Bier getrunken und uns über bescheuerte Frisörnamen unterhalten. Unser Lieblingsname war "Haarald". Hairlich, nä? Haarald!!! Gibt es einen besseren Namen für einen Frisörladen? Ich glaube nicht, oder? Na gut, "Mata Haari" ist okay, auch "O'Haara" haut hin, "Hairport" ist lustig, "Shampoonat" ist supi und "Haarpunzel" funzt gut, aber sonst? "Haarmäleon" ist so lala, witzlos ist "Haarlekin", während "Schnittstelle" fürn Arsch ist, "Kaiserschnitt" ist igitt und "Kamm In" naja, "Philhaarmonie" kannste knicken und "Chaarisma" geht gar nicht. Fakt ist: "Haarald" ist Spitze! Und jetzt alle: Haarald! Haarald! Haarald! Montags Ruhetag, das ist klar. Unbedingt empfehlen möchte ich an dieser Stelle das Buch von Wiglaf Droste "Im Sparadies der Frisöre" (Edition Tiamat). Das Buch liest sich sehr gut (kein Fachchinesisch) und geht ab wie ein Messerhaarschnitt. Oberstes Regal!
Apropos Buch: Heute habe ich auf die Kautsch aufgepasst und dabei das Buch "Ein Winter unter Hirschen" von Heinz Sielmann, halt: Ralf Rothmann gelesen. Klasse Geschichten! In einer Geschichte taucht ein Junge auf, der sich "Häuptling Schicke Mütze" nennt. Das fand ich irgendwie rattelschneckesk, denn von Rattelschneck gibt es die astreine Zeichnung "Häuptling Eigener Herd", auf der ein Indianer hockend auf einer Herdklappe zu sehen ist in seinem Tipi mit stoischer Ruhe, während ein Wasserkessel kocht, ja flötet. Und die kulinarische Kampfschrift, die Wiglaf Droste zusammen mit dem Sternekoch Vincent Klink herausgibt, heißt wie - genau - "Häuptling Eigener Herd" (und nicht "Häuptklink Eigener Herd", wie wir irrtümlich annahmen). Verdammt, da schließt sich der Kreis und die Katze beißt sich in den Schwanz. Hey: Die Original-Zeichnung "Häuptling Eigener Herd" von Rattelschneck hängt "zufällig" bei mir in der Küche schön eingerahmt. Gut, was? Hab ich mal vor Jahren dem Künstler abgekauft, weil dieses Bild Freude macht und den Knorpel frisch hält. So. Feierabend. |
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| 06.01.10 - 23:14:54 Uhr |
| Guter alter Dialog |
Kottan: "I rauch ned, i trink ned und i hob nix mit andere Frauen."
Elvira: "Gar koan Fehler?"
Kottan: "Doch, i liag manchmal." |
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